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Tag 3 : Nasse Wäsche

Aktualisiert: 11. Mai

Tag 3

Nasse Wäsche auf dem Boden, einen Film schon geschaut, grüne Tomaten, überall sterben die Menschen an Krebs und ich lebe noch.

Und trotzdem liegt die Wäsche nass am Boden und muss aufgehängt werden, dennoch muss „der Laden zusammengehalten werden“, dennoch ist der Alltag in Berlin so trist, dennoch habe ich viele verzweifelte Gedanken an die Zukunft.


Und ich wundere mich, wie geht das, gesund sein, sich heilen, wirklich mit sich im Frieden sein?


Ich weiß es einfach nicht, ich weiß noch nicht wie das geht, ich ahne es manchmal, in kleinen Momenten, dann treffe ich den Vater meiner Tochter im Cafe und wir reden, ich möchte weinen, weil es so lange dauert bis er versteht, aber er tut es,

er ist verzweifelt, weil er nicht weiß wie es geht, gut sein mit sich,

so viele Menschen sind verzweifelt, weil sie nicht wissen wie das geht.


Und All das Essen, die Serien, das Handy, die Reisen, nichts, nichts, nichts kann diese Lücke ewig stopfen, es will heraus, gesehen werden, los weine.


Trau dich, deine Tränen zu zeigen, sei nicht so hart, wie der Bruder von Hannes an seinem Grab, an seinem beton-urnen-grab, der ihn nie kannte, weil beide Jungs mit vier Jahren in zwei unterschiedliche Pflegefamilien kamen und dort ihre Leben fanden.


Ich sah in seinen Augen Neugier für all die Menschen, die er nicht kennt, weil er sie nie getroffen hat,

ich sehe so viele Menschen, die sich gegenseitig nicht kennen.


Und alles so groß und doch so klein, so viel und doch so wenig.

Ein klein wenig Großes erlebt und nun wieder in der großen Stadt, in der alles so klein wirkt, so beiläufig, der Tod lauert überall und niemand will ihn sehen, wegsehen, ich kann ihn nicht nicht sehen.

Es ist merkwürdig dieses Wissen um den Tod nicht greifen zu können, nicht vermitteln zu können.


Und weiter liegt die Wäsche am Boden meines ständigen Unzufriedenseins, des nicht Loslassen könnens, im Gemütlichen, ich richte so gemütlich ein und kann es doch nicht genießen.


Irgendwas ist immer, sagt man manchmal, ich hasse diesen Spruch, er klingt so genervt.


Aber es stimmt auch, es ist ja auch immer was, der Atem zum Beispiel oder meine Gedanken, selbst wenn ich schlafe, automatisch, jede Nacht, ein kleiner Tod, ein kleines Loslassen in Vorbereitung auf ein langes Loslassen.

Wer bleibt? Niemand. Und was bleibt? Die Liebe. Oh wie Kitschig. Oder?


Und weiter liegt die Wäsche und starrt mich an, halt dich zusammen, du hast ein Kind, und du hast kein Unternehmen gegründet, du arbeitest nicht, was machst du eigentlich? Und all dieser Bullshit, anders kann ich ihn nicht nennen, belastet mich-

Henne-Ei-Frage, zuerst aus Berlin weg, dann neue Ideen oder erst neue Ideen und dann aus Berlin weg?


Edit:

Ich habe mich wohl für Variante eins entschieden und stelle fest: Dieser Text ist mehr als sechs Jahre alt und immernoch aktuell.


Song des Tages:

Ryley Walker - The Great and Undecided



 
 
 

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